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Gitarrenverstärker

E-Gitarren-Verstärker: Übersicht und Ratgeber

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Übersicht zu unterschiedlichen Verstärkertypen

Neben der richtigen Gitarre prägt auch die Auswahl des Verstärkers den Sound eines Gitarristen. Besonders für Anfänger können die unterschiedlichen Varianten und Bauweisen verwirrend oder überfordernd erscheinen. Wir haben die wichtigsten Verstärkertechnologien für euch in einer kurzen Übersicht zusammengefasst.

Bauform des E-Gitarrenverstärkers

Zwar gibt es mittlerweile Verstärker in allen Größen und Formen, dennoch haben sich im Laufe der Erfolgsgeschichte der E-Gitarre zwei Bauformen als besonders beliebt herausgestellt: Die Combo-Amps und die Stacks.

Bugera Combo-Amp

Combo-Verstärker

Combos gelten seit den ersten Fender Blues Amps der 1950er Jahre als der Standard des Gitarristen. Die beiden wichtigsten Teile des Gitarren-Soundsystems werden bei diesen Verstärkern in ein großes Gehäuse gebracht: Verstärker und Lautsprecher.

Über eine interne Verkabelung wird die Endstufe des Verstärkers mit der direkt darunter befindlichen Box verbunden. Neben der Bauform des Amps (Röhre oder Transistor) werden auch die Größe bzw. Anzahl der verbauten Lautsprecher unterschieden. Meistens finden sich Angaben zu den verbauten Lautsprechern auch in der Bezeichnung der Verstärker wieder: 112 oder 212 etwa bezeichnen Modelle mit einem bzw. zwei 12-Zoll Lautsprechern. Häufig werden bei Gitarrenverstärkern Lautsprecher der Marke Celestion oder Derivate dieser berühmten Töner verbaut.

Doch um einen wirklichen Überblick zu unterschiedlichen Gitarren-Combos zu erhalten, bietet es sich an, die Amps in vier Kategorien zu unterteilen:

Röhrencombos

Vox Röhrenverstärker

Als Röhrencombos werden Combos bezeichnet, die über einen internen Röhrenverstärker verfügen. Diese Amps zeichnen sich auf Grund ihres analogen Signalweges durch besonders organische, offene Klänge aus.

Beliebte Modelle in 2020 sind zum Beispiel der Laney CUB8, Vox AC15 C1, Fender Blues Junior Lacquered Tweed, Marshall DSL40CR und Laney L5T-112 Lionheart.

Transistorcombos

Marshall Combo Verstärker

Transistorcombos verwenden neben integrierten Lautsprechern Endstufen mit Transistortechnik. Diese Bauweise ist deutlich unauffälliger gegen Störungen oder mechanische Belastungen und kann günstiger produziert werden. Der Klang moderner Transistorverstärker ist lange nicht mehr „künstlich“ oder kalt – hier hat die Technik einen echten Fortschritt gemacht.

Beliebte Modelle in 2020 sind zum Beispiel der Harley Benton HB-10G, von Fender der Frontman 10G, Champion 40, Mustang GT 40 und Boss Katana Artist.

Hybridcombos

Hybridcombos setzen auf das beste aus beiden Welten: Eine Röhrenvorstufe wird mit einer Transistorendstufe kombiniert und liefert so echten, warmen Röhrensound und verlässt sich bei der Verstärkung auf die robuste Transistortechnik. Besonders beliebt sind zum Beispiel die Amps der VOX VT-X oder AV Serie.

Modellingcombos

Mit immer schnelleren und leistungsfähigeren Chips entwickelte sich Ende der 1990er Jahre das Modelling, also die digitale und computergestützte Veränderung des Sounds. Mit digitalen Effekten wie Delay, Reverb oder Verzerrung können Modelling-Amps eine ganze Palette an Sounds wiedergeben, die auf herkömmlichem Wege nur mit einer Vielzahl von Effektpedalen erreicht werden können.

Beliebte Modelle in 2020 sind zum Beispiel der Line6 Spider V 20 MkII, Vox VT20X, Marshall Code 25, Fender Mustang GT 40 und Boss Katana 50 MKII.

Stack-Verstärker

Fender Gitarre und Topteil

Bei Stacks handelt es sich um eine Kombination aus getrenntem Verstärker und dazugehörigen Boxen, den so genannten Cabinets. Da der Verstärker unabhängig vom Lautsprecher ist, können unterschiedlichste Variationen zum kreieren des eigenen Sounds ausprobiert werden. Besonders beliebt ist die Kombination aus einem Topteil (Verstärker) mit einer 4×12 Box, also einem Cabinet mit vier 12-Zoll Lautstärken.

Auch bei den Stacks unterscheidet man verschiedene Bauformen und Technologien:

Topteile mit Transistorverstärker

Wie schon bei den Combos, kommt bei Topteilen mit Transistortechnik eine robuste Bauweise und eine günstigere Produktion zusammen. Besonders Anfänger schätzen niedrigere Preise und gute Qualität. Bekannte Hersteller von Transistorverstärkern sind HoTone, DV Mark, Blackstar oder Quilter. Aber auch Marshall, Fender oder Laney bieten Verstärker mit Transistortechnik an.

Topteile mit Röhrenverstärker

Röhrenamp

Die von vielen Gitarristen als Königsklasse empfundene Verstärkerform ist das Röhren-Topteil. Aufwändige Technik und analoge Signalwege bringen zwar organische und runde Sounds, Pflege und Wartung der Röhrenamps erfordert jedoch auch Zeit und Geld. Besonders die Topteile von Marshall, ENGL, Mesa, Orange und Laney erfreuen sich großer Beliebtheit.

Hybridverstärker

Nicht bloß bei Combos wurde die Kombination aus Röhren- und Transistortechnik als vorteilhaft entdeckt. Auch Topteile mit dieser Kreuzung analoger und digitaler Signalwege erfreuen sich großer Beliebtheit. Modelle der Hersteller Joyo, VOX oder BluGuitar haben viele Anhänger.

Modellingverstärker

Auch bei den Topteilen hat die Modellingtechnologie Einzug gehalten. Besonders die Möglichkeit, das Topteil mit unterschiedlichen Boxen zu betreiben, reizt viele Gitarristen. Besonders beliebt sind beispielsweise Tops von Kemper, Yamaha, Line 6 oder Hughes & Kettner.

Häufige Fragen

Wir haben uns die häufigsten Fragen zum Thema herausgesucht und möchten euch im folgenden Abschnitt einige Informationen zur Welt der Amps liefern:

Topteil und Box

Transistor oder Röhre? Die wichtigsten Unterschiede

Die zwei größten Varianten der Gitarrenamps sind im Kern zwar gebaut worden, um das selbe Ziel zu erreichen (Sound!), unterscheiden sich jedoch in einigen Punkten voneinander:

Signalweg

Während Transistorverstärker auf einen digitalen Signalweg setzen, nutzen Röhrenverstärker analoge Wege. Die Verstärkung des Signals kommt bei den Röhrenverstärkern durch eine Spannungsveränderung innerhalb von gläsernen Vakuumröhren, die eine sehr organische Klangcharakteristik besitzen. Durch das Zusammenspiel von Endstufen- und Vorstufenröhren ergeben sich die produzierten Klänge.

Lautstärke

Viele Gitarristen wissen es bereits: Gute Sounds gibt es nur ab einem gewissen Pegel. Dies gilt besonders für Röhrenamps. Auf Grund ihrer Bauweise benötigen sie einen höheren Ausgangspegel, um den Lautsprecher akkurat versorgen zu können. Daher eignen sich besonders große 50 oder 100 Watt Verstärker nicht wirklich für das Proben zuhause. Bei Transistorverstärkern ist es meist unproblematisch, bei geringer Lautstärke zu spielen, da die Klangcharakteristiken sich bei wechselndem Pegel nur wenig verändern. Besonders die notwendige Lautstärke, um einen Röhrenamp in die Verzerrung zu bringen, kann sehr hoch sein – daher sind Distortion und Booster so beliebte Effektpedale!

Blues, Rock, Jazz oder Metal?

Gitarrist

Bei der Wahl des „richtigen“ Verstärkers gibt es keine Regeln. Wer auf der Such nach seinem persönlichen Sound ist, der ist jedoch gut beraten, sich die typischen Amps des eigenen Genres genau anzuhören.

Wer auf klare, nur wenig verzerrte Sounds steht und sich selbst in der Richtung Blues oder Jazz entwickeln möchte, wird bei klassischen Verstärkern wie dem Fender Deluxe eher auf seine Kosten kommen. Rock und härtere Spielrichtungen verwenden gern größere Stacks, die zum Verzerren neigen, wie etwa die Marshall JCM Modelle. Soll es in Richtung Metal gehen, werden Verstärker mit großen Gain-Reserven bevorzugt. Die Großen dieser Szene heißen Mesa, Diezel, ENGL oder Randall.

Tipp: Kein Verstärker ist exklusiv für den einen oder anderen Musikstil geeignet. Wer viel testet und sich mit der Funktionsweise von Effektgeräten vertraut macht, kann seinen eigenen Sound vielleicht auch abseits des bekannten Weges finden.

Welcher Verstärker ist für Anfänger geeignet?

Anfänger-Verstärker

Besonders am Anfang ist es wichtig, einen Verstärker zu finden, der eine große tonale Vielfalt bietet und sich auch zum leisen Üben eignet. Besonders gut geeignet sind dabei kleinere Transistor- oder Hybridcombos: Sie vereinen robuste und verlässliche Technik mit überschaubaren Modulationsmöglichkeiten und eine große Vielfalt an Sounds. Reine Modellingamps können anfangs noch verwirren und vom eigentlichen Gitarrenspiel ablenken und werden daher eher erfahreneren Gitarristen empfohlen. Wer auf den Sound einer echten Röhrenverstärkung steht, sollte sich nach kleinen Röhrencombos (bis 10 Watt) umschauen. Welcher Amp es auch sein soll, wichtige und sinnvolle Ausstattungsmerkmale sind:

  • Kopfhörerausgang für lautloses Üben
  • Aux-Eingang zum Einspielen von Backingtracks oder Übungsstücken
  • Einfache Bedienung und verlässliche Technik

Ansonsten gibt es nur einen wichtigen Tipp: Der eigene Verstärker sollte dem gewünschten Sound bereits von Haus aus recht nahe kommen, denn der Einsatz von Effektgeräten erfordert einige Zeit der Übung und des Ausprobierens – besonders am Anfang sollte man sich jedoch auf die Gitarre als Instrument konzentrieren! Daher gilt: Der eigene Sound muss gefallen!

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