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Gitarrenbau

Wie Holz den Klang einer E-Gitarre beeinflusst

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Hat das verwendete Holz bei einer E-Gitarre überhaupt Einfluss auf den späteren Klang des Instruments? Diese Frage stellen sich besonders Einsteiger häufig – und die Frage ist natürlich berechtigt. Schließlich wird der Klang einer Gitarre von den Tonabnehmern produziert. Doch wer sich die Funktionsweise des Tonabnehmers genau ansieht, stellt fest, dass es bei der Tonproduktion auf die Art und Weise ankommt, in der die Saite im Magnetfeld des Pickups schwingt.

Und hier kommt das Holz mit ins Spiel: Die Schwingungen der angeschlagenen Saite werden auf das Holz übertragen und von dort zurück an die Saite gegeben – Saite und Holz beeinflussen sich also gegenseitig. Besonders deutlich wird die Schwingung des Holzes, wenn du einmal dein Ohr an den Korpus hältst und eine Saite anschlägst – so entsteht Sound!

Das Hölzer in ihrer Beschaffenheit (Dichte, Wassergehalt, Faserlänge, uvm.) unterschiedlich sind, dürfte bekannt sein. Diese Unterschiede im Holz machen sich auch bei der Tonproduktion bemerkbar. Wir haben euch die wichtigsten Unterschiede und Klangmerkmale einzelner Hölzer herausgesucht und beschrieben.

Klangmerkmale und Unterschiede

Wie eine Gitarre klingt und welches Potential sie zudem in ihrer fortlaufenden klanglichen Entwicklung hat, hängt maßgeblich von der Holzwahl ab. Abgesehen von der Verarbeitung wird der Ton eines Gitarrenholzes geprägt durch 3 wesentliche Merkmale. Diese Unterschiede haben direkten Einfluss auf den Klang einer Gitarre

  1. Dichte
  2. Härte
  3. Elastizität

Attak

Als Attack (im Deutschen gern als „Ansprache“ übersetzt) bezeichnet man die Dauer der Zeit, die ein Ton braucht, um sich komplett zu entfalten. Die Erklärung hierbei ist relativ leicht: Die Saite, die durch den Anschlag zum Schwingen gebracht wurde, benötigt eine gewisse Zeit, das Holz in Schwingung zu versetzen. Je leichter das Holz, desto schneller ist es in Schwingung zu bringen.

Wer also auf der Suche nach einem knackigen, direkten Ton ist, der sollte sich nach Gitarren aus leichten Hölzern wie beispielsweise Erle umsehen. Klassisches Beispiel: Die Fender Stratocaster.

Sustain

Sustain, oder auch Nachhall, bezeichnet die Dauer des klingenden Tons. Je länger das Sustain, desto länger ist der Ton bei einmal angeschlagener Saite zu hören. Anders als beim Attack kommt es hierbei weniger auf die Geschwindigkeit an, mit der das Holz die Schwingung aufnimmt. Vielmehr ist es ausschlaggebend, wie lange das Holz „nachschwingt“. Das physikalische Gesetz der Masseträgheit besagt, einfach ausgedrückt, dass ein schwerer Körper seine Bewegungsenergie länger hält, als ein leichter.

Übersetzt auf die Gitarre bedeutet das: Je schwerer und dichter das Holz, desto länger schwingt es nach. Besonders beliebt sind daher Tonhölzer wie Mahagoni oder Ahorn – diese Hölzer klingen besonders lang nach. Beispiel für diese Kombination ist die Gibson Les Paul.

Resonanz

Die Resonanz besagt, wie stark ein Holz überhaupt schwingt. Manche Hölzer sind so dicht und unbeweglich (z.B. Robinie oder Eiche), dass sie als „Tonhölzer“ völlig ungeeignet sind. Die besondere „Schwingungsfreude“ von Tonhölzern wurde über die Jahrhunderte hinweg erforscht, schon die Geigenbauer des 17. Jahrhunderts wussten um die besonderen Klangeigenschaften mancher Hölzer und benutzten nur diese.

Besonders beliebte Beispiele aus der Welt der E-Gitarre sind: Mahagoni, Ahorn, Erle, Esche, Palisander oder Ebenholz.

Was günstige und teure Hölzer unterscheidet

Bei der Auswahl eines Holzes für die E-Gitarre wird besonders bei hochwertigen Instrumenten darauf geachtet, dass die Hölzer:

  • Lange getrocknet wurden
  • Frei von Rissen und Beschädigungen sind
  • Möglichst in einem Stück verarbeitet werden können
  • Von sehr hoher Qualität sind

Günstige Gitarren werden meist auch aus günstigeren Hölzern gebaut. Diese können

  • Aus mehreren Stücken zusammengefasst sein / laminiert sein
  • Extrem billiges Holz verwenden
  • Schlechte Maserung haben
  • Schnell gewachsenes und schlecht getrocknetes Holz enthalten

Beliebte Holzarten im E-Gitarrenbau

Doch nicht nur die Qualität der Hölzer unterscheidet sich, auch die Art der verwendeten Hölzer ist unterschiedlich.

Beliebte Hölzer für den Hals (neck)

Ahorn (Maple)

  • Verwendung: Hals, Griffbrett, Decke, (Selten für den Body bei Jumbo oder Auditorium Gitarren)
  • Herkunft: Europa, Nordamerika
  • Spezifizierung: relativ hart
  • Klangcharakter: transparenter, klarer Sound
  • Englische Bezeichnung: Maple Neck (Thomann-Produkt-Abkürzung: MN)

Mahagoni (Mahogany)

  • Verwendung: Body und Hals (eines der beliebtesten und am vielseitigsten einsetzbaren Hölzer)
  • Herkunft: Mittel- und Südamerika, Afrika, Kuba
  • Spezifizierung: relativ steif, weiche bis mittelharte Dichte (je nach Art)
  • Klangcharakter: weich, warm, ausgewogen und sustainreich
  • Nato ist eine Mahagoni-Unterart mit ähnlichen Eigenschaften

Beliebte Hölzer für den Korpus (body)

Erle (Alder)

  • Verwendung: Body (z.B. Fender Squier Affinity Serie oder Fender Vintera Serie)
  • Herkunft: Europa, Nordamerika
  • Spezifizierung: mittlere Festigkeit (Dichte)
  • Klangcharakter: unterstützt einen obertonreichen Klang mit zurückhaltendem Bassbereich

Esche (Ash)

  • Verwendung: Body (z.B. bei Fender-Gitarren. Update: Fender hat im Mai 2020 ein Produktionsstop für Esche bestätigt.)
  • Herkunft: Europa, Nordamerika
  • Spezifizierung: sehr unterschiedlich
  • Klangcharakter: durchsetzungsstark mit schneller Ansprache

Laminat / Sperrholz

  • Verwendung: Body (bei preisgünstigen massiven sowie Voll- und Halbresonanz-Gitarren)
  • Herkunft: je nach verwendeten Hölzern
  • Spezifizierung: hohe Festigkeit
  • Klangcharakter: neutral

Linde (Basswood)

  • Verwendung: Body (z.B. Fender Squier Bullet Serie)
  • Herkunft: Europa, Nordamerika
  • Spezifizierung: weich
  • Klangcharakter: mittenbetont

Mahagoni (Mahogany)

  • Verwendung: Body und Hals (eines der beliebtesten und am vielseitigsten einsetzbaren Hölzer)
  • Herkunft: Mittel- und Südamerika, Afrika, Kuba
  • Spezifizierung: relativ steif, weiche bis mittelharte Dichte (je nach Art)
  • Klangcharakter: weich, warm, ausgewogen und sustainreich
  • Nato ist eine Mahagoni-Unterart mit ähnlichen Eigenschaften

Pappel (Poplar)

  • Verwendung: Body (zum Beispiel bei Squier Contemporary Strat und Tele)
  • Herkunft: USA, Asien
  • Spezifizierung: weich
  • Klangcharakter: eher dunkel, wie Linde

Sumpfesche (Swamp-Ash)

  • Verwendung: Body
  • Herkunft: Lousiana/USA
  • Spezifizierung: mittelhart
  • Klangcharakter: sanft, höhenreich, dynamisch
  • Modelle: Harley Benton ST-90SA Swamp Ash DLX Series oder Paul Reed Smith Custom 24 Swamp Ash

Beliebte Hölzer für das Griffbrett (fretboard)

Ahorn (Maple)

  • Verwendung: Hals, Griffbrett, Decke, (Selten für den Body bei Jumbo oder Auditorium Gitarren)
  • Herkunft: Europa, Nordamerika
  • Spezifizierung: relativ hart
  • Klangcharakter: transparenter, klarer Sound

Ebenholz (Ebony)

Ein Griffbrett aus Ebenholz klingt ähnlich wie ein Ahorn-Griffbrett, begünstigt aber ein noch spontaneres Anschlagverhalten. (Quelle: gitarrebass.de)

  • Verwendung: Griffbrett, Steg (bei Archtops)
  • Herkunft: Asien, Afrika
  • Spezifizierung: sehr hart und schwer (teuer) 
  • Klangcharakter: direkter Ton, schnelle Ansprache, ebenmäßiger Klangverlauf

Palisander (Rosewood)

Da 2017 die Vorschriften für die Einfuhr von Palisanderholz verschärft wurden wird Pau Ferro auch bekannt als „Bolivianischer Palisander“ oder „Santos Palisander“ gern als Alternative benutzt.

  • Verwendung: Griffbrett, Hals (selten), Brücken Steg (bei Archtops)
  • Herkunft: Ostindien, Südamerika, Afrika
  • Spezifizierung: große Festigkeit und Dichte
  • Klangcharakter: voll, rund, kräftig, luftig und harmonisch
  • Englische Bezeichnung: Rosewood (Thomann-Produkt-Abkürzung: RW)

Pau Ferro

Pau Ferro besitzt ein Höhenklangbild, das in etwa zwischen Ebenholz und Rio-Palisander liegt, was sich klanglich besonders gut bei Bässen macht. (Quelle: gitarrebass.de)

Fender verwendet Pau Ferro-Griffbretter auf Gitarren und Bässen in der Standard-Serie, Deluxe-Serie und Classic-Serie, plus zusätzlich vielen andere Instrumenten Made in Mexiko. (Quelle: musicline24.de)

  • Verwendung: Griffbrett (als Alternative zu Palisander aber etwas heller und härter)
  • Herkunft: Südamerika
  • Spezifizierung: große Festigkeit und Dichte
  • Klangcharakter: voll, rund, kräftig, schnelle Ansprache

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