Zum Wissensvorteil eines erfahrenen Gitarristen
gegenüber einem Einsteiger zählt die Erkenntnis, dass
selbst eine sündhaft teure Gibson oder Fender ohne
kompetente und vor allem regelmäßig nachzubessernde
Feineinstellungen niemals ihr volles Klangpotential
entfalten kann.
Die Korrektur der Intonation bzw. Oktavreinheit muss
dabei stets an erster Stelle stehen; denn wer
andernfalls als E-Gitarrist vor allem in höheren Lagen
selten einen bundreinen Ton trifft, kann auch mit
perfekt eingestellter Saiten- und Pickup-Lage sowie
erstklassigem Effekt- und Verstärker-Klang wenig retten.
Je nach Hersteller der Stimmmechaniken sollten diese
über einen kleinen Inbus-Schlüssel (Kluson Vintage) oder
Kreuzschlitz-Schraubenzieher (Schaller, Grover und
Derivate) ausreichend festgezogen werden, um auch
stärkeren Finger-Bendings, Vibrato-Einsätzen und
allgemeiner Brückenspannung standhalten zu können.
Der Abstand jeder einzelnen Saite zum Griffbrett richtet
sich nach dem jeweiligen Radius von Sattel, Griffbrett
(z.B. 9 oder 12 Zoll) und Brücke.
Nach erneutem Stimmen der sechs Leersaiten sollte man
damit beginnen, die Oktav- und Bundreinheit an der
Brücke zu justieren. Hierbei wird jede Saite abwechselnd
leer und am 12. Bund angeschlagen und die Oktavreinheit
mittels eines chromatischen Stimmgerätes gemessen. Zur
Kompensation muss die Gesamtmensur (bei Fender-Modellen
648mm, bei Gibson 625mm) mittels minimaler Schlüssel-
oder Schraubenzieherdrehungen verkürzt oder verlängert
werden.
Je nach Hersteller und Alter der E-Gitarre fällt dieser
Arbeitsschritt stark unterschiedlich aus - am
einfachsten lassen sich Fender Hard Tail-Systeme mit
drei oder sechs Reitern sowie Gibson Tune-o-Matic
Bridges mit sechs Klingensätteln justieren. Ein etwaiges
Vibrato-System (Fender Vintage, Modern, aber auch
Bigsby) muss hierbei in neutraler Grundposition fixiert
werden.
Da die tiefen Saiten einen deutlich höheren Einfluss auf
die Gesamtspannung des Halses ausüben, sollte mit dem
Einstellen von unten (tiefes E) begonnen werden.
Korrekturen am eingebauten Halsstab überlässt man indes
besser dem Gitarrenbauer, da hier mit übermütigen
Drehungen sehr leicht sehr viel Schaden angerichtet
werden kann.
Erst zuallerletzt kann die Pickup-Lage in Angriff
genommen werden. Hier gilt es, einen gesunden Kompromiss
aus satter Eingangsleistung durch nahe Platzierung an
den Saiten zu erreichen, ohne deren Schwingung durch das
Magnetfeld der Tonabnehmer (die gefürchteten Wolf Tones)
zu beeinträchtigen.
Weitere lesenswerte Informationen:
Akkorde und Infos zum Stimmen einer Gitarre -
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